Schafe - Verantwortung, Natur und Nachhaltigkeit
Wie lassen sich Nachhaltigkeit, Umweltbildung und pädagogische Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe miteinander verbinden? Eine Antwort darauf gibt das Projekt "Schafe - Natur, Tiere und Ressourcen", das im Rahmen der Weiterbildung "Jugendhilfe packt an! - In Bildung, Natur, Biodiversität und Umwelt" entstanden ist.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen Schafe - und mit ihnen die Möglichkeit, Natur, Tierwohl und nachhaltiges Handeln unmittelbar zu erleben. Bei den Schafen handelt es sich um die Rasse "Ostfriesische Milchschafe". Sie gehören zu den ältesten bekannten Schafsrassen in Deutschland. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen hat diese Schafsrasse in die Kategorie II (stark gefährdet) eingestuft [1]. Sie sind besonders zutraulich, ruhig und menschenbezogen, wodurch sie sich gut für die Arbeit mit Kindern eignen. Außerdem sind sie robuste Weidetiere und leisten einen wichtigen Beitrag zur natürlichen Pflege von Streuobstwiesen, indem sie das Gras kurzhalten und die Artenvielfalt fördern. Im Rahmen einer Kooperation mit dem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe des Frère-Roger Kinderzentrums besuchen die Kinder regelmäßig den Hof. Dort versorgen sie die Tiere, füttern diese, gehen mit ihnen spazieren und unterstützen bei der Stallarbeit. Dabei lernen sie ganz praktisch, was artgerechte Tierhaltung bedeutet und wie eng das Wohl von Tieren, der Schutz von Natur und das eigene Handeln miteinander verbunden sind.
Der handlungsorientierte Ansatz ermöglicht den jungen Menschen die Naturerfahrungen unmittelbar mit dem eigenen Handeln zu verknüpfen. Auf einem Hof erleben die Kinder und Jugendlichen die Haltung von Schafen hautnah. Die Kinder übernehmen Verantwortung für Lebewesen, entwickeln Ideen zur Verbesserung der Haltung und setzen sich mit Themen wie Ressourcenschonung, Biodiversität und der Nutzung natürlicher Rohstoffe auseinander. So entstand beispielsweise der Plan, die Schafwolle künftig kreativ weiterzuverarbeiten und damit regionale Stoffkreisläufe sichtbar zu machen. Zuletzt halfen die Kinder beim Aufstellen und Umzäunen der Weide und erhielten dabei Einblick in die Vorbereitung einer sicheren Haltung der Schafe. Außerdem unterstützten sie die Versorgung der neuen Lämmer, indem sie ihnen die Flasche gegeben haben, was natürlich ein Highlight für die Kinder ist!
Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch der Augsburger "youfarm" [2]. Dort führten die Kinder ein selbst vorbereitetes Interview mit einer Schäferin, erkundeten die Schafhaltung vor Ort und sammelten Ideen, wie sie die Bedingungen für "ihre" Schafe weiter verbessern können. Die jungen Menschen übernahmen dabei eigenständig Aufgaben wie das Filmen, Fotografieren und Dokumentieren der Ergebnisse.
Die Erfahrungen zeigen eindrucksvoll, wie wirksam naturpädagogische Projekte in der Kinder- und Jugendhilfe sein können. Die Kinder zeigen großes Interesse am Wohl der Tiere, arbeiteten kooperativ zusammen und entwickelten ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Gleichzeitig stärkten die gemeinsamen Erlebnisse das Selbstwertgefühl, die Selbstwirksamkeit und die Beziehungen innerhalb der Gruppe. Konflikte traten während der Angebote nur selten auf, stattdessen standen gemeinsames Lernen, Vertrauen und positive Erfahrungen im Vordergrund.
Was zunächst als Projekt im Rahmen der Weiterbildung begann, hat sich inzwischen zu einem festen Bestandteil des Gruppenalltags entwickelt und wird kontinuierlich weitergeführt:
Das verdeutlicht, welches Potenzial handlungsorientierte Umweltbildung in der Kinder- und Jugendhilfe entfalten kann. Nachhaltigkeit wird nicht als abstraktes Konzept vermittelt, sondern als gelebte Praxis erfahren. Die nächsten Schritte sind bereits geplant: Die Kinder möchten Namensschilder für die Schafe gestalten, die Weide und den Stall weiterentwickeln sowie die anfallende Schafwolle kreativ weiterverarbeiten. Damit wird das Projekt auch künftig zahlreiche Möglichkeiten bieten, Natur, Nachhaltigkeit und Verantwortungsübernahme miteinander zu verbinden.
Das Projekt "Schafe - Natur, Tiere und Ressourcen" entstand im Rahmen der Weiterbildung "Jugendhilfe packt an! - In Bildung, Natur, Biodiversität und Umwelt" des Projekts Natur (er)leben! und zeigt beispielhaft, wie Nachhaltigkeitsthemen in der Kinder- und Jugendhilfe lebendig, alltagsnah und wirksam vermittelt werden können. (Sophia Volkert)


