Wildbienen im Garten fördern und erforschen
Naturpädagogische Angebote gewinnen in der Kinder- und Jugendhilfe zunehmend an Bedeutung - insbesondere dort, wo es darum geht, junge Menschen niedrigschwellig zu erreichen und Selbstwirksamkeit erfahrbar zu machen. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt "Wildbienen im Garten fördern und erforschen" im Don Bosco Jugendwerk Bamberg. Dieses Projekt ist entstanden im Rahmen der Weiterbildung Jugendhilfe packt an! - In Bildung, Natur, Biodiversität und Umwelt.
Ausgangslage und Projektidee
Ausgangspunkt für dieses Projekt war ein bislang wenig genutztes Gartengrundstück der Einrichtung. Statt auf pflegeintensive Nutzungskonzepte zu setzen, wird dieses gezielt als naturnaher Lebensraum weiterentwickelt. Gemeinsam mit den betreuten Kindern und Jugendlichen entstehen dort Nistmöglichkeiten für Wildbienen - etwa durch Totholz, markhaltige Pflanzenstängel, Sandflächen und spezielle Nisthilfen - sowie vielfältige Blühflächen als Nahrungsquelle.
Viele von uns betreute Kinder und Jugendliche bringen unterschiedliche Belastungserfahrungen mit und profitieren besonders von handlungsorientierten, alltagsnahen Bildungsangeboten. Genau hier setzt das Projekt an: Die Teilnahme ist freiwillig, praktisch ausgerichtet und erfordert kein Vorwissen. Bereits kleine Beiträge - etwa das Liegenlassen von Totholz oder das Aussäen von Blühpflanzen - machen ökologische Zusammenhänge unmittelbar erfahrbar.
Pädagogische und ökologische Ziele
Neben dem ökologischen Nutzen verfolgt das Projekt klare pädagogische Ziele. Die Kinder und Jugendlichen erleben, dass ihr Handeln Wirkung zeigt: Pflanzen wachsen, Insekten siedeln sich an, der Garten verändert sich sichtbar. Diese Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist insbesondere im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig werden Ängste gegenüber Insekten abgebaut und soziale Kompetenzen durch gemeinsames Arbeiten gestärkt.
Fachlicher Kontext: Biodiversität und BNE
Fachlich eingebettet ist das Projekt in den Kontext von Biodiversität und Bildung für nachhaltige Entwicklung. In Deutschland gelten rund die Hälfte der etwa 600 Wildbienenarten als gefährdet. Der Verlust geeigneter Lebensräume zählt zu den Hauptursachen. Maßnahmen wie naturnahe Gartengestaltung, vielfältige Bepflanzung und das Schaffen von Nistmöglichkeiten leisten hier einen konkreten Beitrag - und sind zugleich mit überschaubarem Aufwand in Einrichtungen umsetzbar.
Forschendes Lernen durch Citizen Science
Eine besondere Qualität erhält das Projekt durch die Teilnahme am Citizen-Science-Projekt "Wildbienen an Schulen und Universitäten erforschen", welches Teil des "DiKuLe-Projekt - Digitale Bestimmung von Wildbienen in Nisthilfen" der Universität Bamberg ist. Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen werden zweimal jährlich die Besiedlung der Nisthilfen mithilfe einer App bestimmt. Somit werden wir - auch als Einrichtung der stationären Jugendhilfe - Teil eines bundesweiten Forschungsnetzwerks. Dadurch wird das praktische Tun um eine forschende Perspektive ergänzt: Ergebnisse werden sichtbar, Entwicklungen nachvollziehbar und Erfolge messbar.
Für die pädagogische Praxis eröffnet dies zusätzliche Chancen. Die Jugendlichen erleben sich als Teil eines wissenschaftlichen Prozesses und leisten einen Beitrag über die eigene Einrichtung hinaus. Dies stärkt nicht nur das Interesse an Natur und Umwelt, sondern auch das Gefühl gesellschaftlicher Teilhabe.
Praxiserfahrungen und Übertragbarkeit
Unsere bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass das Fördern von Wildbienen im Garten niedrigschwellig und flexibel in den Alltag integrierbar ist. Die noch ausstehenden Forschungen im Rahmen des Projekts schätzen wir als ebenso gut umsetzbar und kind- und jugendgerecht gestaltet ein.
Einrichtungen können mit überschaubarem Ressourceneinsatz Teil eines größeren Forschungszusammenhangs werden und ihren Klient:innen neue, sinnstiftende Erfahrungsräume eröffnen.
Ausblick und weiterführende Informationen
Gerade vor dem Hintergrund ökologischer Herausforderungen bietet sich hier ein praxisnaher Ansatz, um Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Alltag der Kinder- und Jugendhilfe zu integrieren und junge Menschen aktiv gestaltend und forschend an gesellschaftsrelevanten Themen zu beteiligen.

